Tenkara

Die etwas andere Art des Fliegen-Fisches – Tenkara Fly Fishing

Tenkara aus Sicht der Japaner

Tenkara ist eine sehr alte japanische Technik zum Fang von Salmoniden in den Hochlandbächen Japans. Wer könnte sich zu Tenkara also besser äußern als ein Japaner? Yoshikazu Fujioka beschreibt Tenkara auf seiner sehr informativen Webseite (http://www.hi-ho.ne.jp/amago/index2.html) frei übersetzt so:

„Das Wort Tenkara stammt aus der Kiso Region Japans. Von dort aus verbreitete sich die Technik durch die Schriften von Soseki Yamamoto. Soseki Yamamoto, ein Essayist und Angler studierte Tenkara unter der Anleitung von Dr. Hideki Sugimoto, der zu dieser Zeit in der Kiso Region lebte.

Heute ist diese Technik der Inbegriff für traditionelles japanisches Fliegenfischen. Tenkara hat keine Geschichte als Sport und unterscheidet sich deutlich von der westlichen Art des Fliegenfischens. Daher gibt es auch keine Regeln und keine Einschränkungen. Die früheren Tenkara-Fischer benutzten Bambus-Ruten, geflochtene und sich verjüngende Schnüre aus Pferdehaar, Vorfächer aus Fäden der Seidenspinnerraupe und selbstgemachte Haken aus Nähnadeln. Heute benutzt man Ruten aus Carbon, geflochtene Schnüre aus Nylon oder Fluorocarbon, sowie spezielle Haken mit Ösen. Außerdem hat sich die Technik zu einer Sportart entwickelt. Aber Tenkara ist weiterhin eine sehr simple Art des Fischens, die das Hilfsmittel Bewegung in den schnellfließenden Bergflüssen Japans nutzt und bei der mit einer sehr leichten Schnur geworfen wird.“

Tenkara Fischer vor der aufgehenden japanischen Sonne

 

Tenkara ist also eine sehr simple Art des Fischens, entwickelt für die schnellfließenden Bergflüsse Japans. Der Fischer benutzt ein einfaches Setup, bestehend aus Rute, Schur und Fliege. Diese Technik kann auf eine Rolle komplett verzichten. Der Fischer bewegt die Fliege mit einer gewissen Leichtigkeit in der Luft um sie dann an einer bestimmten Stelle auf dem Wasser zu landen, wo die Fliege unter Wasser weiter driftet und die Hecheln der Fliege durch Bewegungen der Rute zum Pulsieren gebracht werden.

 

Tenkara: eine japanische Tradition in Deutschland

Tenkara Fly Fishing stammt – wie bereits erwähnt – ursprünglich aus Japan und wird dort schon seit hunderten Jahren praktiziert. Die Technik hat sich unabhängig vom westlichen Fliegenfischen entwickelt, weist aber trotzdem ein paar Ähnlichkeiten auf. Gerade die Einfachheit macht diese Technik aber auch für uns interessant.

Während Tenkara als Technik in anderen westlichen Ländern – besonders in den U.S.A. inzwischen mehr als akzeptiert wird, lehnen Deutsche Fischer diese Technik gerne mal aus Unkenntnis ab, oder haben es bislang einfach noch nicht ausprobiert. Die Gemeinde der Tenkara-Anhänger ist deshalb in Deutschland nach wie vor überraschend klein. Doch dies ist völlig unbegründet. Tenkara ist eine sehr emotionale und kostengünstige Technik des Fliegenfischens, die das Potential hat jeden in seinen Bann zu ziehen. Natürlich steht bei Tenkara Fly Fishing nicht der Fang von kapitalen Brocken sondern das Erlebnis an sich im Vordergrund.

Diese Art des Fliegenfischens ist kein Ersatz für das traditionelle westliche Fliegenfischen, es erhebt auch nicht diesen Anspruch. Tenkara ist eine Technik für sich und sollte einzig und allein dazu dienen im Einklang mit der Natur zu entspannen und Spaß zu haben.

In vielen Ländern ist diese Art des Fliegenfischens ein Sport bei dem Fische gefangen und schonend wieder in ihr Element entlassen werden. In Deutschland ist dieses catch & release bei maßigen Fischen außerhalb der Schonzeit zurzeit (Stand 2016) nicht erlaubt.

 

Tenkara – Fliegenfischen für Jedermann

Beispiel für ein Deutsches Tenkara Gewässer

Tenkara-Fischer sehen die Welt mit anderen Augen. Fische in geringer Entfernung zu fangen heißt sein Verhalten am Wasser grundsätzlich zu überdenken. Tenkara hat nichts Lautes und Hektisches. Ganz im Gegenteil – diese Art des Fliegenfischens hat schon fast etwas Meditatives.

Man bewegt sich fast lautlos, bleibt in Deckung und beobachtet das Gewässer. Wo stehen die Fische, wohin werfe ich? Dabei läuft man oft einige Stercken am Wasser entlang, wird eins mit der Natur und sieht Tiere, die man sonst gar nicht wahrnimmt. Dafür wird man mit Fangerlebnissen belohnt, die man sonst nur selten hat. Der schwarze Schatten der plötzlich auftaucht, Sekundenbruchteile nachdem die Fliege das Wasser berührt hat und der ebenso schnell mit der Fliege im Maul wieder verschwindet. Der brutale Ruck der plötzlich durch die Rute geht und beim Fischer Adrenalin freisetzt. Man spürt die unbändige Kraft des Fisches, der an einer kurzen und dünnen Schnur zerrt (Vorfach), kann ihn aber mit etwas Geschick trotzdem schnell und sicher landen.

Das alles macht diese Technik zu einem besonderen Erlebnis. Dabei ist das Hobby viel günstiger als gedacht. Einsteigersets sind schon für knapp über hundert Euro zu haben. Die Ausrüstung ist extrem leicht und klein, man kann sie also bequem in einem Rucksack verstauen. Gerade deshalb ist Tenkara auch beliebt bei allen Rucksack-Touristen.