Tenkara-Technik

Tenkara Fly Fishing – Technik

Wie fast alle Techniken zum Fang von Fischen ist auch die Tenkara-Technik relativ leicht zu erlernen. Bevor auf die Wurf-Technik näher eingegangen wird, sollten wir uns jedoch etwas näher mit unserem Equipment beschäftigen. Besonderes Augenmerk wollen wir hierbei auf die Vorbereitung der Tenkara-Rute und der Tenkara-Schnur legen.

 

Vorbereitung der Rute

Bevor wir zur Tenkara-Technik kommen, machen wir unsere Tenkara-Rute einsatzbereit. Das beinhaltet die Befestigung der Tenkara-Schnur (Furled Line oder Level Line) an der Tenkara-Rute (Tenkara Rod), die Befestigung des Vorfachs an der Tenkara Schnur und die Befestigung der Fliege am Vorfach.

 

Öffnen der Tenkara-Rute

Bei der modernen Tenkara-Rute handelt es sich um eine Teleskop-Rute. Zum Öffnen schieben wir daher die einzelnen Segmente unserer Tenkara-Rute vorsichtig auseinander. Dazu nehmen wir die obere Kappe ab, neigen anschließend die Rute mit der Spitze nach unten und lassen vorsichtig die obersten Spitzensegmente in unsere Hand gleiten.

Während wir die dickeren unteren Segmente in der Hand behalten, ziehen wir vorsichtig das oberste Segment, erkennbar an der farbigen Lilian (Anmerkung: eine deutsche Übersetzung für den Begriff Lilian gibt es nicht, er bezeichnet das Stück Schnur, das an der Spitze des obersten Rutenelements befestigt ist) heraus. Dabei halten wir das nächst dickere Segment mit den Fingern der anderen Hand und ziehen die Spitze nur so weit heraus bis sie halbwegs fest im nächsten Segment sitzt. Es ist nicht nötig hier unnötige Kraft anzuwenden. Nun ziehen wir das nächst dickere Segment heraus und verankern es im dritten Segment, dabei halten wir immer das nächste Segment mit zwei Fingern der anderen Hand. Aber bitte immer mit der nötigen Vorsicht. Die oberen Segmente unserer Rute sind dünn und damit sehr empfindlich. Wir fahren Segment für Segment fort, bis wir am letzten Segment angekommen sind.

Abb. Setup-01: Abnehmen der Kappe
Abb. Setup-02: Wir lassen die oberen Segmente locker in die andere Hand gleiten
Abb. Setup-03: Wir greifen das oberste Segment mit der einen Hand während wir mit der anderen Hand das nächst dickere Segment festhalten
Abb. Setup-04: Während wir das nächst dickere Segment mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand festhalten, ziehen wir mit der anderen Hand das dünnere Segment heraus bis es halbwegs fest sitzt (nicht zu viel Kraft aufwenden)

 

Zumsammenschieben der Rute

Das Zusammenschieben der Rute erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, wir beginnen also mit dem untersten Segment. Dabei halten wir den Rutenschaft wieder mit der einen Hand, während wir mit zwei Fingern der anderen Hand das unterste Segment so weit wie möglich unten fassen und durch leichtes drehen und schieben wieder zurück in den Rutenschaft befördern. Nun fahren wir mit dem nächsten Segment fort, bis wir die Rute zusammengeschoben haben. Mit äußerster Vorsicht behandeln wir wieder die obersten und zugleich dünnsten Segmente. Bitte niemals Gewalt anwenden und niemals versuchen die Elemente mit Gewalt zusammen zu schieben, die sich nicht mehr bewegen lassen.

 

Pflege der Rute

Nach Gebrauch sollte die Rute von Schmutz und Wasser befreit werden. Darüber hinaus kann die Rute gelegentlich mit einem trockenen und weichen Tuch abgewischt wrden. Viel mehr Pflege braucht eine Tenkara-Rute nicht. Ab und an ein wenig Graphit-Puder hält die Ruten-Elemente gängig und schützt vor Verklemmen.

 

Tenkara-Schnur an der Rute befestigen

Wie wir die Schnur an der Rute befestigen hängt von der verwendeten Schnur ab, das Grundmuster ist aber ähnlich und kann gegebenenfalls vereinfacht werden.

Bei ausgefahrener Rute lässt sich die Spitze nicht mit der Hand erreichen. Es kann also von Vorteil sein die Rute zur Befestigung der Schnur am Boden abzulegen. Egal ob Level Line oder Furled line, jede Tenkara-Schnur wird an der sogenannten Lilian befestigt. Dazu überprüfen wir zunächst ob unsere Lilian an der Spitze einen Stopper-Knoten besitzt. Falls nicht machen wir dort einen einfachen Überhandknoten.

 

Befestigung mit dem Transition Loop

Besitzt unsere Schnur eine sogenannte Übergangschleife (Transition Loop), gestaltet sich die Befestigung mittels Girth-Knoten (girth hitch) recht einfach. Wir klappen die Übergangsschleife nach unten und ziehen die Schnur durch die Schleife. Durch diesen loop fädeln wir die Lilian und ziehen den Knoten stramm. Je mehr Zug auf den Knoten kommt (durch Werfen oder beim Fang) desto stärker zieht er sich zu. Dennoch lässt sich der Knoten jederzeit gut wieder öffnen. Der Endknoten in der Lilian verhindert ein Abrutschen. Eine simple und effektive Lösung.

 

Eine Übergangsschleife (Transition Loop) einfügen

Besitzt Ihre Furled Line lediglich eine kleine Schlaufe haben Sie folgende Möglichkeiten: Auch durch eine kleine Schlaufe lässt sich die Schnur durchziehen und ein Girth-Knoten erzeugen. Eleganter und einfacher wird es wenn man eine Übergangschleife einfügt. Nehmen Sie einfach ein Stück braided backing und knoten Sie die Enden zusammen. Nun lässt die Endschlaufe der Furled Line mittels Girth-Knoten daran befestigen. Fertig ist die perfekte Übergangsschleife.

 

Tenkara-Technik

Grundtechnik

Ähnlich wie beim traditionellen Fliegenfischen wird bei der Tenkara-Technik die Fliege zunächst in der Luft bewegt um sie dann an der gewünschten Stelle auf dem Wasser zu platzieren. Jedoch wird die Fliege jedoch nicht parallel zum Wasser sondern in einer nach vorne gerichteten Auf- und Abwärtsbewegung bewegt.Hierzu wird die Rute zwischen 10 und 12 Uhr bewegt, d.h. die Bewegung der Rute endet bei der Aufwärtsbewegung oberhalb des Fischers. Bei der Abwärtsbewegung landet nicht die komplette Tenkara-Schnur, sondern nur die Fliege und Teile des Vorfachs auf der Wasseroberfläche. Die eigentliche Schnur wird außerhalb des Wassers gehalten.Befindet sich viel Laub hinter dem Fischer kann die Aufwärtsbewegung schon früher enden um Kontakt der Fliege mit Ästen oder Laub zu vermeiden.

Details zur Grundtechnik

Optimaler Weise greift man die Tenkara-Rute im unteren Bereich des Handgriffs. Daumen, Mittel-, Ring- und Kleiner Finger umschließen den Griff und halten ihn locker und unverkrampft. Der Zeigefingerwird nach oben in Richtung Rutenspitze positioniert. Dies hat den Vorteil, dass die Griffposition eine unvorteilhafte Führung der Rute (über 12 Uhr hinaus) weitestgehend verhindert. Der Wurf-Arm (egal ob rechts oder links) hängt locker herab und der Oberarm wird nicht großartig bewegt.

Die Bewegung erfolgt aus Handgelenk und Unterarm zu gleichen Teilen. Natürlich ist es möglich die Rute aus dem Handgelenk zu bewegen, aber das könnte zu einer frühzeitigen Ermüdung des Gelenks führen. Egal ob sich die Fliege bereits auf der Wasseroberfläche oder noch in unserer Hand befindet, die erste Bewegung der Tenkara-Rute ist stets eine Aufwärtsbewegung (2). Wir starten langsam und erhöhen das Tempo der Aufwärtsbewegung bis die Rute auf 12 Uhr, d.h. oberhalb unseres Kopfes angekommen ist. Dort stoppen wir die Bewegung der Rute und warten kurz, während sich die Schnur weiter nach hinten bewegt (3).

Während sich die Schnur dem oberen End(Umkehr-)-Punkt nähert, bewegen wir die Rute wieder abwärts (4-5). Es ist nicht nötig (ratsam) dabei die Schur zu beobachten, die Bewegung nach oben, die Verzögerung am oberen Endpunkt und die Gegenbewegung müssen gefühlsmäßig erfolgen. Konzentrieren wir uns lieber auf den virtuellen Punkt zu dem wir werfen wollen. Wir bewegen die Rute weiter abwärts (ca. 9 Uhr 30) und nehmen sie wieder etwas hoch bevor die Fliege die Wasseroberfläche berührt. (5). Dadurch setzt nur die Fliege auf der Wasseroberfläche auf. Die Tenkara-Schnur bleibt außerhalb des Wassers (6).

 

 

Soweit zum Grund-Wurf beim Tenkara-Fischen. Hat man die Wurftechnik eingeübt gilt es die Wurfgenauigkeit zu erhöhen. Dazu können Trockenübungen auf einer Rasenfläche helfen, bei der man versucht einen aufgestellten Wassereimer zu treffen.

 

Den Fisch landen

Wurde der Fisch erfolgreich gehakt, gilt es diesen erfolgreich zu landen. Bei Schnüren deren Gesamtlänge die Rutenlänge nicht überschreitet reicht es aus die Rute möglichst hoch zu halten und den Fisch dann mit der anderen Hand zu Keschern. Bei Schnüren die länger sind als die Tenkara-Rute wird die Rute mit der einen Hand möglichst hoch gehalten und so weit wie möglich nach hinten geneigt (1). In dieser Position ist es möglich die Schnur mit der anderen Hand zu greifen und den Fisch mit der Schur näher ans Ufer zu ziehen (2). Man übergibt dann die Schnur in die Rutenhand (man hält also beides mit einer Hand) und kann dann den Fisch mit der anderen Hand Keschern (3-4). Gerade wenn man im Wasser oder unmittelbar am Ufer steht ist es natürlich auch möglich den ermüdeten Fisch mit der nassen Hand (am besten unter Wasser) zu greifen. Dadurch kann man untermaßige Fische leicht vom Haken lösen und schonend wieder in die Freiheit entlassen.