Tenkara-Ruten

Tenkara-Ruten (Tenkara Rods)

Herkunft der Tenkara-Rute

Tenkara-Ruten wurden vor hunderten von Jahren in Japan entwickelt um mit einfachen Mitteln in schnellfließenden Hochlandflüssen Salmoniden zu fangen. Die ursprünglichen Ruten wurden meist in einem Stück aus geeigneten Bambusstäben hergestellt. Später entstanden mehrteilige Bambus-Ruten, deren Leichtholzgriffe zum Teil reich verziert waren.

Ursprünglich als Gerät zum Nahrungserwerb gedacht, entwickelten sich Tenkara-Ruten später zu Sportgeräten. Bei modernen Tenkara-Ruten sind heute extrem leichte High-Tech-Ruten, die meist aus Kohlefaser (Karbon) gefertigt werden. Moderne Ruten sind zudem Teleskop-Ruten und daher zusammengeschoben gerade mal ein paar Dezimeter lang. Sie sind daher ein leicht zu transportierendes Angelgerät und insbesondere für Rucksackreisen und zum Fischen in schwer zugänglichen und mit dem Fahrzeug nicht zu erreichenden Bächen besonders gut geeignet. Die wenigen noch aus mehreren Bambusteilen gefertigten traditionellen japanischen Ruten sind in Europa leider sehr selten und normalerweise nur schlecht zu bekommen.

Beispiel für eine moderne Tenkara-Rute
Tenkara USA, Ayu II

Abb. 1: Tenkara-Rute von Tenkara USA: die AYU, Series II (my personal favorite, leider nicht mehr erhältlich): 13 ft (Fuß) lang, 6:4 Action. Zusammengeschoben 58 cm, ausgefahren 390 cm lang. Gewicht: 110 Gramm. Lieferung mit Stoff-Tasche und Kunststoff-Transportrohr.

 

Der Aufbau der Tenkara-Rute

Moderne Tenkara-Ruten sind Teleskop-Ruten, d.h. sie können zum Transport auf eine kurze Länge zusammengeschoben werden. Die Transportlänge beträgt häufig nur wenige Dezimeter, das Gewicht um die einhundert Gramm. Sie werden aus Kohlefaser (Karbon), Carbon-Composite-Material oder aus Glasfaser gefertigt. Der Karbonanteil liegt meist zwischen 95 und 99,5%. Ursprüngliche mehrteilige Tenkara-Ruten aus Bambus sind heute sehr selten geworden.

Tenkara-Ruten besitzen keine Rolle und keine Führungsringe, stattdessen befestigt man die Schur direkt an der Rutenspitze. Für gewöhnlich sind sie in Längen zwischen 11 und 15 Fuß (335 bis 457 cm) erhältlich. Dabei bestehen sie aus bis zu 11 Einzelelementen (Segmenten). Die Spitzen der langen Ruten sind extrem dünn und entsprechend empfindlich. Sie sind aber im zusammengeschobenen Zustand durch den relativ robusten Rutenschaft gut geschützt, so dass man zum Transport der Tenkara-Rute nicht unbedingt eine Schutztasche oder ein Schutzrohr benötigt (obwohl diese meist mitgeliefert werden).

Auch wenn es in Japan noch stark verzierte traditionelle Leichtholzgriffe gibt, besteht der Griff einer Tenkara-Rute heute meist aus Kork oder Schaumstoff. Kork ist zwar etwas teurer als Schaumstoff, ist aber sehr leicht und im Einsatz einfach praktischer als Schaumstoff. Am unteren Ende des Griffes befindet sich eine Schraubkappe (untere Verschlusskappe), über die alle Segmente einzeln nach unten entnommen werden können. Am Spitzenteil befindet sich die sogenannte Lilian, an der die Tenkara Schnur befestigt wird. Im zusammengeschobenen Zustand verschließt die obere Abdeck-Kappe das Ruten-Rohr.

Informationen zum Setup und zur Pflege der Tenkara-Rute finden sich im Abschnitt Tenkara-Technik.

Schematischer Aufbau moderner Tenkara-Ruten
Tenkara-Rute, schematisch

Abb. 2: Schematischer Aufbau einer modernen Kohlefaser-Tenkararute.

 

Die Aktion der modernen Tenkara-Ruten

Aktion-Indices moderner Tenkara-Ruten, schematisch
Tenkara action, schematische Darstellung

Abb. 3: Aktions-Indices von Tenkara-Ruten.
Rein schematische Darstellung, d.h. keine absoluten Biegungskurven, sondern lediglich eine Veranschaulichung der Unterschiede.

Tenkara-Ruten sind je nach Anwendung in verschiedenen Längen und in verschiedenen Härten-Graden erhältlich. Anders als bei Fliegenruten wird die Härte der Rute durch den Aktionsindex angegeben. Die Tenkara-Aktion beschreibt wie viele Elemente eher steife und wie viele Elemente eher flexible Eigenschaften besitzen wenn Druck oder Zug auf die Rutenspitze ausgeübt wird. Der Aktions-Index gibt somit an wie weit sich die Rute verbiegt und wie schnell sie wieder in die Ausgangsposition zurück findet. Dabei geht es nicht um die Anzahl der Rutenelemente, sondern um die prozentuale Länge der Rute. Bei einer Rute mit einem Aktionsindex von 6:4 sind also 60% der Rute eher steif und 40% eher weich, eine Rute mit einem Aktionsindex von 6:4 kehrt eher langsam in die Ausgangsposition zurück. Man spricht auch von einer „light action“.

Weiche und eher langsame Ruten haben einen Aktionsindex von 5:5 oder 6:4, härtere und schnellere Ruten besitzen einen Aktionsindex von 7:3 oder 8:2. Anfänger kommen häufig mit einen Aktionsindex von 7:3 am besten zurecht. Wie immer im Leben ist dies allerdings reine Geschmackssache. Während ich persönlich mit eher weichen Tenkara-Ruten gut zu Recht komme, lieben andere Fischer die eher harte Aktion. Rutenlänge (in Fuß) und Aktions-Index finden sich in der Regel als Beschriftung auf dem Rutenschaft.

 

Wie viele Tenkara-Ruten braucht der Mensch?

Es gibt Kollegen die eine Vielzahl von unterschiedlichen Tenkara-Ruten besitzen. Ich dagegen besitze eine Rute, die ich in 95% aller Fälle an meinem Hausgewässer benutze. Darüber hinaus habe ich zwei weitere Ruten um im Fall eines Defektes Ersatz zu haben und um für andere Gewässer gerüstet zu sein. Gelegentlich kaufe ich mir eine neue Rute, die ich dann mit meiner Lieblingsrute vergleiche. Anschließend verkaufe ich in der Regel eine der beiden Ruten. Aus meiner Sicht benötigt man maximal zwei Ruten, alles andere ist Liebhaberei.

 

Die Tenkara-Rute im Einsatz

Die Tenkara-Wurftechnik ist wie die meisten Angeltechnik relativ leicht zu erlernen. Mehr Informationen zum diesem Thema finden sich im Abschnitt Tenkara-Technik.